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    Verzinnen

    VerzinnenDie Verarbeitung von Karosseriezinn ist die klassische Methode Dellen im Blech wieder in eine ebene Oberfläche zu verwandeln.
    Heutzutage verwendet man für solche Arbeiten Kunststoffspachtel in verschiedensten Ausführungen. Der Grund hierfür ist die einfache und schnelle Verarbeitung auf nahezu jedem Untergrund. Kunststoffspachtel hat allerdings den Nachteil, speziell beim Auftragen von dickeren Schichten, und an Stellen die Verwindungen oder Vibrationen ausgesetzt sind, mit der Zeit wieder abzuplatzen.
    Trotzdem ist auch Zinn nicht das Allheilmittel, und es gibt Anwendungen, wo verzinnen evtl. sogar zu mehr Rost führen kann.
    Fast alle Verzinnungspasten enthalten ein Flussmittel mit Zinkchlorid-Anteilen. Zinkchlorid reagiert zusammen mit Wasser oder Luftfeuchtigkeit zu Salzsäure. Werden die Flussmittelreste nach der Vorverzinnung nicht gründlich genug entfernt, entsteht Rost. Das Flussmittel MUSS also nach der Vorverzinnung gründlich mit reichlich Wasser entfernt werden. Arbeitet man an überlappenden Blechen (Punktschweißen/TÜV-Vorschrift) wo das gründliche Spülen mit Wasser nur schlecht möglich ist, und auch nicht die Möglichkeit besteht nach dem Verzinnen diese Bereiche von der Rückseite aus mit einer gut kriechenden und roststoppenden Hohlraumversiegelung o.ä. zu konservieren, sollte man ggf. auf Kunststoffspachtel ausweichen, oder sich auf die Suche nach säurefreier Verzinnungspaste machen.
    Karosseriezinn, auch Stangenzinn oder Lötzinn genannt, kann nur auf einwandfrei sauberem und rostfreiem Blech haften. Dann aber verbindet es sich chemisch mit dem Metall und gibt diesem zusätzlichen Halt.

    Vorteile vom Verzinnen:
    • durch Rost porös und dünn gewordenes Blech wird gestärkt und geglättet
    • Solange die Bleche direkt und ohne Überlappung gegeneinander geschweißt werden, ist Zinn ein hervorragender Rostschutz zumindest von einer Seite
    • Passungen von Türen- und Haubenkanten können durch Zinnauftrag "modelliert" werden
    • Beulen und Wellen können ausgeglichen werden.

    Werkzeug-Grundausstattung zum Verzinnen:
    • Eine Lötlampe oder ein Autogenschweißgerät
    • Lötpaste oder Lötwasser
    • ein Pinsel
    • Holzspachtel in verschiedenen Profilen
    • Leinöl
    • fusselfreie Baumwollputzlappen
    • ein Eimer Wasser mit einem feuchten Lappen
    • Karosseriezinn.
    Das so genannte Lötzinn 25, das sich für Arbeiten am Auto am besten eignet, hat gerade einmal 25 Prozent Zinnanteil, der Rest ist Blei. Der Unterschiedliche Schmelzpunkt der beiden Materialien sorgt dafür, dass sich die Stangen unter Hitzeeinfluß nicht schlagartig verflüssigen. Die Schmelze sollte möglichst über einen breiten Temperaturbereich teigig-zäh bleiben, damit sie mit dem Holzspachtel in Form gedrückt werden kann.

    Vorarbeiten:

    1. Wenn es sich um eine Unfall-Delle oder eine Schweißnaht mit Wärmeverzug handelt, versucht man zunächst mit Hammer und Handeisen die ursprüngliche Form wiederherzustellen. Wenn die Stelle von beiden Seiten zugänglich ist, kann man das so weit schaffen, dass eigentlich kein Zinn mehr notwendig ist. Alles, was raus steht( Beulen) muss auf jeden Fall weg. Lieber eine kleine Delle (Vertiefung) produzieren, die kann man mit Zinn füllen. Durch Schweißen wird das Blech spröde, deshalb nicht übertreiben, sonst bricht Ihnen das Blech an diesen Stellen.
    2. Das Blech muss anschließen blank und möglichst fettfrei gemacht werden. Ggf. mit Silikonentferner o.ä. abreiben.

    Vorverzinnen:

    Der Grund für diese Vorarbeit ist, dass das Zinn nur eine unzureichende Verbindung mit Stahlblech eingeht, was wiederum damit zusammenhängt, dass es sich dabei um eine sehr magere Zinn-Legierung handelt. Zinnpaste hingegen besteht aus hochfeinem Zinn, das in Salzsäure gelöst wurde. Erhitzt man die Paste auf dem Blech, bildet das Zinn feine Tropfen, welche durch das Flußmittel in die meisten Ritzen und Vertiefungen (leider nicht in jeden haarfeinen Spalt) gezogen werden.
    Dazu wird der Blechbereich mit Verzinnungspaste dünn aber deckend eingestrichen Die Verzinnungspaste vorher gut umrühren, damit das Zinnpulver gleichmäßig verteilt ist.
    Die Paste wird dann mit einer Lötlampe erwärmt. Nach kurzer Zeit beginnt das Zinnpulver zu schmelzen und verbindet sich mit dem Blech. Sobald sich die graue Paste in eine silbrig-schimmernde Oberfläche verwandelt hat, wischt man mit einem fusselfreien Baumwollappen darüber. Auf diese Weise entfernt man erstens die Bindemittel, die in manchen Pasten zusätzlich vorhanden sind und zweitens merkt man, ob die Zinnanteile auch wirklich auf dem Blech haften bleiben Das Flussmittel wirkt leicht reinigend und hat kleine Schmutzreste hoch gedrückt, die vor dem eigentlichen Verzinnen, zusammen mit Flussmittelresten, noch entfernt werden müssen. Dazu wird das Blech 2-3 mal mit einem nassen Lappen gründlich und mit viel Wasser abgewaschen. Danach trocken reiben.
    Sollten noch Stellen vorhanden sein, die nicht vorverzinnt wurden, noch mal Paste drauf, erhitzen usw.

    Das eigentliche Verzinnen:

    Im Temperaturbereich von 180 °C bis 250 °C ist Karosseriezinn weich (darunter fest, darüber flüssig) und lässt sich gut bearbeiten. Die Schwierigkeit besteht darin, Blech und Zinn in diesem Temperaturbereich zu halten und gleichzeitig das Zinn aufzutragen.

    Mit der Lötlampe wird das Blech vorsichtig erwärmt. Gleichzeitig hält man die Zinnstange an den Flammenrand, so dass das Zinn warm wird aber noch nicht schmilzt. Hin und wieder tupft man mit der Stange an das warme Blech; schmiert das Zinn dann an der Oberfläche leicht weg und bleibt auf dem Blech haften, ist der richtige Zeitpunkt erreicht das Zinn etwas stärker zu erhitzen. Wenn der untere Teil der Stange wachsartig weich ist, wird mit einer leichten Drehung, ein kleiner Zinnbrocken auf das Blech gesetzt. Hat sich ein etwa walnußgroßer Klumpen teigigen Zinns auf dem Blech gebildet, kommt der Spachtel zum Einsatz. Am Besten eignet sich ein in Leinöl getränkter Holzspachtel, weil dieser die Wärme nicht so schnell abführt und das Zinn nicht am Spachtel klebt. Mit dem Brenner gibt man nun wieder nur soviel Hitze zu, dass das Metall im teigigen Zustand bleibt. In diesem Zustand lässt sich das Zinn leicht modellieren. Zuerst drückt man den Klumpen gegen das Blech, bevor man beginnt, es in die gewünschte Karosserieform zu streichen. Bei diesem Arbeitsschritt sollten alle Vertiefungen ausgefüllt werden, denn bei den weiteren Arbeitsschritten wird kein Material mehr aufgebracht, sondern nur noch abgetragen. Sorgfältig arbeiten, denn eine nicht einwandfreie Verlötung bedeutet Kapillaren unter der Oberfläche, die Rost langfristig begünstigen können.
    Optimal ist die Temperatur von Untergrund und Zinn immer dann wenn beides silbrig glänzt. Wirkt die Oberfläche stumpf oder wird das Zinn beim Verstreichen schuppig muss etwas mehr Hitze zugeführt werden.

    Nachbearbeitung:

    Die verzinnten Partien werden nun mit einer Karosseriefeile oder
    zur Not auch mit einem Schleifklotz und 80er oder 120er Schleifpapier in die richtige Form geschliffen. Die dazu notwendigen Karosseriefeilen lassen sich über eine Gewindestange auf Höhlungen und Wölbungen einstellen. Mit etwas Übung lassen sich so auch Rundungen herausarbeiten. Die groben Zähne der Feile nehmen schnell zuviel Material ab, weshalb Anfänger oft mehrmals denselben Abschnitt aufzinnen und abfeilen.

    Das alles klingt erstmal relativ einfach, ist es aber nicht.
    Gerade der Umgang mit dem Brenner will geübt sein, da sich sonst das meiste Zinn in flüssiger Form auf dem Garagenboden wiederfindet. Außerdem besteht bei großen ebenen Flächen, die Gefahr von Wärmeverzug - Wellen und Beulen können entstehen. Überhitzen Sie das Blech also nicht, und bearbeiten Sie nur kleine Flächen. Sie können den erwärmten Bereich auch mit einem nassen Lappen abkühlen, um dem Wärmeverzug entgegen zu wirken.

    Wie bei allem heißt es auch hier üben, üben, üben.

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